Datum: 4. Apr 2006
Nach 6000 km Busfahrt und 500 km Bikefahrt bin ich an der Westküste in Broome / Australien angekommen und es gibt wieder einiges zu erzählen!
Wie immer hat es den 20. März herum, bei meiner Abfahrt von Cairns an der Ostküste, geregnet, ein Zyklon von gigantischem Ausmaß nähert sich, und für mich wird es Zeit die Flucht zu ergreifen. Ich in den Bus und ab ins Outback!
Das mit dem Outback muss man sich in etwa so vorstellen. Du verlässt den Bus und ein aufregender Geruch von Weite und Freiheit umgibt Dich, warm, 35 Grad, die Sonne geht knallrot unter und Du schaust nach Westen, nach Osten, da ist nichts nur diese endlose Weite, ein schönes befreiendes Gefühl!
Ich habe einige Nächte am Lagerfeuer im Outback verbracht, mit streunenden Hunden und Dingos gespielt, Fliegen verjagt, ein paar Bier getrunken, nichts gemacht! Und dann kam Sie, nein, nein, keine Frau (ich bin im Outback! *g*), die Australische Wild West Kneipe. Ich rein, irgendwie war es Original wie bei Crokodile Dundee. Der Ort bestand aus einer Kneipe und einer Tankstelle, bis zur nächsten waren es so 1000 km!, vor der Kneipe die Badewanne, uff, und eine Holzstange für die Pferde, na da habe ich mein Bike festgemacht. Die ganze Kneipe voller Farmer, es roch nach Qualm und Bier, am Tresen Männer mit breitkrempigen Hüten (ich hatte meinen natürlich auch auf, ha)! Ich kam auch gleich ins Gespräch und es wurde ein lustiger und langer Abend! Prost!
Oben in Darwin kam er, der zweite Zyklon! Na prima! Die nächsten 10 Tage habe ich dann in meiner Badehose verbracht. Nein nicht schwimmend, Fahrrad fahrend, uff, nass! Ich in den Kakadu- Nationalpark, schön leer, keine Touristen (die hatten wohl keine Badehosen mit…*g*) dafür gab es einige spannende Flussquerungen für mich und mein Bike. Ich will nur soviel erzählen, mein erster Zeltplatz! Ich total durchnässt, schwitzend, es dämmert. Da ist ein Schild: Campground! Endlich! Ich hin, uff, niemand zu sehen. Busch, ein See, ein Stück Wiese, das ist alles, nein nicht ganz, da waren auch noch diese Baustellen – Papierabsperrungen. An diesen hingen dann Papierschilder von der Nationalparkbehörde, dass nur auf der rechten Seite der Wiese zu Zelten sei.
Der Grund: Salzwasserkrokos!!! Na prima! Ich sehr müde, superheiß, Fliegen und tausende Mücken, ins Zelt, mein Messer in der Hand und mir immer wieder sagend: Ja Krokos können lesen, Krokos können lesen! Na ich hatte Glück, Sie konnten wohl lesen, es kamen keine uff! Am nächsten Tag habe ich dann mal wieder eine gesperrte Straße getestet. Ich fahre dann meistens so weit bis die Straße vom Wasser überspült ist und Bike, dann zurück. Folgendes ist passiert! Ich los, vor mir das Wasser, links und rechts flacher Busch, ich bremse, so 4 - 5 Meter vor der gefluteten Straße, die Bremsen quietschen vor Nässe und das war der Moment! Ein riesiges Salzwasserkroko springt so 4…5…6…Meter rechts von mir ins Wasser und flüchtet. Ich kreideweiß und hochnervös, na das war es dann mit meinem bis dahin recht relaxten Verhältnis zu Salzwasserkrokos, die immerhin bis zu 7,5 Meter lang und bis zu einer Tonne!…schwer werden können und ganze Kühe angreifen Mein Tipp für eure Reise nach Australien! Nehmt ein Fahrrad mit, Krokos haben davor wohl Angst…*g*! Ihr ahnt es, viel Regen und der dritte Zyklon näherte sich (Klasse 5!), alles wurde gesperrt, es regnete wie aus Eimern, Blitze am Himmel, unheimliche Geräusche, okay, ich muss weg. In den nächsten Bus und 16 Stunden Busfahrt weiter, in einem Ort namens Kununurra.
Das war’s dann. Ich war für eine Woche eingeschlossen von den Wassermassen, alle Straßen überschwemmt, kein vor - kein zurück, es gab Katastrophenalarm, es gab kein Obst und so im Supermarkt, ich im Zelt, was soll ich machen, aber ich hatte Glück, eine wunderbare Gegend! Das Zelt am See, darin hunderte Süßwasserkrokos (harmlos 3,5 m aber nicht die Hand hinhalten oder so). Nachts mit starker Taschenlampe sieht man dann hunderte Krokoaugen und tagsüber habe ich sie dann vom Ufer aus mit Stöcken etwas geärgert (aber näher als 2 Meter bin auch ich nicht ran), ich sage nur schnapp schnapp, ha, habe auch ein kleines Video davon!
Irgendwann hatte ich dann Glück und es ging weiter Richtung Westküste in 20 Stunden Busfahrt, so ca. 50 Fluss und Bachquerungen per Bus, na der Busfahrer fand es toll! Jetzt in Broome, endlich!!!…Hurra! Hurra! Hurra! Nach 4 Wochen Dauerregen…Sonne! Ich kann es kaum glauben, ein wunderbares Gefühl! Ich habe 36 Grad, leichten Wind, mein Zelt 20 Meter vom Wasser entfernt, vor mir der Indische Ozean, milchig Türkises Wasser 30 Grad warm, roter Sandstrand und knallblauer Himmel! Genial!
Zum Ende von diesem Reisebericht noch ein Tagesablauf von mir aus Broome von gestern den 1. April 2006: Ich wache auf, wie meistens so gegen 5 - 6 Uhr morgens, es ist noch dunkel und ich mache mich auf, Richtung Afrika. Ich gehe auf dem Grund des Indischen Ozeans, einige Kilometer (es gibt in Broome eine gigantische Flut/Ebbe ca.2 - 3 km) vorbei an gesunkenen Schiffen, Seesternen, dann kommt Sie…die Sonne geht auf, alles wird knallrot um dich herum, es ist still, dann setze ich meine Kopfhörer auf, höre 80er, 90er Jahre Diskosound. Du drehst Dich im Kreis die Stereo Musik fetzt in Deinen Ohren und Du stehst mitten im Indischen Ozean, alleine, alles knallrot, in diesen Momenten sagte ich mir, das Leben ist wunderbar!
Später dann, wenn die Flut kommt, wird alles milchig Türkis, das Wasser hat so 30 Grad und Du schwimmst vorbei an roten Stränden, über Dir der strahlend blaue Australische Himmel…
Liebe Grüße an euch alle von eurem Dennis…


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